Wenn eine Website keine Anfragen mehr bringt, liegt ein Gedanke nahe: alles neu. Neues System, neue Struktur, neue Texte, neues Design. Das fühlt sich entschlossen an. Oft ist es aber teurer als nötig und kostet genau das, was die alte Seite noch gut konnte, etwa ihre Auffindbarkeit oder Texte, die echte Fragen beantworten.
Die bessere Frage lautet deshalb nicht „neu oder alt?“, sondern: Was trägt noch, und was kostet Wirkung? Wer das sauber trennt, investiert dort, wo es einen Unterschied macht.
Zwei Begriffe, zwei Eingriffe
Ein Redesign setzt auf dem Bestand auf. Inhalte, Adressen und oft auch die Technik bleiben. Überarbeitet werden Struktur, Gestaltung und Texte dort, wo sie Besucher verlieren. Ein Neuaufbau, häufig Relaunch genannt, ersetzt das Fundament: anderes System, neue Seitenarchitektur, meist auch neue Adressen.
Beides hat seine Berechtigung. Es kommt darauf an, den Eingriff nach dem Befund zu wählen und nicht nach dem Gefühl, dass irgendetwas nicht mehr stimmt.
Fünf Schichten, getrennt betrachtet
Eine Website besteht aus Schichten, die unterschiedlich schnell altern. Wer sie einzeln prüft, sieht schnell, wo der eigentliche Engpass liegt.
Inhalte
Inhalte sind oft besser als ihre Präsentation. Leistungsbeschreibungen, Antworten auf häufige Fragen, Erfahrungswissen aus Jahren: Das lässt sich selten aus dem Stand neu schreiben. Behalten Sie die Substanz und überarbeiten Sie den Zugang. Klarere Überschriften, kürzere Einstiege, eine erkennbare nächste Handlung. Ersetzen sollten Sie, was veraltet ist oder niemand mehr braucht, etwa Meldungen von vor Jahren oder mehrere Seiten zum selben Thema.
Adressen und Auffindbarkeit
Jede Seite hat eine Adresse. Suchmaschinen kennen sie, andere Websites verlinken auf sie, Kunden haben sie als Lesezeichen gespeichert. Ändern sich Adressen ohne Weiterleitung, laufen all diese Wege ins Leere. Sichtbarkeit, die über Jahre gewachsen ist, kann dann spürbar zurückgehen.
Behalten Sie bestehende Adressen, wo es geht. Wo es nicht geht, braucht jede alte Adresse eine dauerhafte Weiterleitung mit dem Statuscode 301 auf die inhaltlich passende neue Seite. Nicht pauschal auf die Startseite, sondern Seite für Seite. Seitentitel, Beschreibungen und interne Verlinkungen gehören zur selben Prüfung.
Struktur
In dieser Schicht liegt das Problem besonders oft. Selten fehlt Inhalt. Meistens fehlt Führung. Besucher finden nicht, was sie suchen, weil die Navigation die Innensicht des Betriebs abbildet statt die Fragen der Kunden. Eine neue Ordnung lässt sich oft auf bestehender Technik umsetzen: Menü neu gliedern, Seiten zusammenführen, den Weg zur Anfrage verkürzen.
Gestaltung
Typografie, Farben, Abstände und Hierarchie entscheiden darüber, ob eine Seite in Sekunden verstanden wird. Gestaltung lässt sich erneuern, ohne die Seite abzureißen. Ein eingeführtes Logo und eine bekannte Hausfarbe sollten Sie dabei nicht leichtfertig aufgeben. Wiedererkennung ist ein Wert, den ein neuer Entwurf erst wieder aufbauen müsste.
Technik
Die Technik ist meist die Schicht, an der sich die Entscheidung festmacht. Erhält das System keine Sicherheitsupdates mehr, lässt es sich nicht sauber für Smartphones umsetzen oder hängt jede Änderung an einem Anbieter, der nicht mehr reagiert, dann hilft keine neue Oberfläche. Dann muss das Fundament ersetzt werden.
Ein Redesign reicht, wenn …
- das System gepflegt wird, Updates erhält und Sie Inhalte selbst ändern können,
- die Seite über Suchmaschinen gefunden wird, aber zu wenige Besucher anfragen,
- die Inhalte im Kern stimmen und nur schlecht geordnet oder präsentiert sind,
- sich Ihr Angebot im Wesentlichen nicht verändert hat.
Ein Neuaufbau ist nötig, wenn …
- das System veraltet ist, keine Sicherheitsupdates mehr erhält oder nur mit Aufwand lauffähig bleibt,
- sich die Seite auf Smartphones nicht sinnvoll bedienen lässt und das technisch nicht zu beheben ist,
- sich Ihr Angebot oder Ihre Zielgruppe grundlegend geändert hat,
- Sie keinen Zugriff auf Quellcode, Zugänge oder Domain haben und von einem einzelnen Dienstleister abhängen.
Prüffragen vor der Entscheidung
Beantworten Sie diese Fragen, bevor Sie Angebote einholen. Die Antworten zeigen, welcher Eingriff passt, und sie machen Angebote vergleichbar.
- Welche Seiten werden heute tatsächlich besucht, und über welche Suchbegriffe kommen Besucher?
- Welche Seiten führen zu Anfragen, welche nicht?
- Haben Sie Zugriff auf Domain, Hosting, Quellcode und alle Zugänge?
- Erhält das System noch Sicherheitsupdates?
- Lässt sich jede Seite auf dem Smartphone ohne Zoomen lesen und bedienen?
- Können Sie Texte, Bilder und Öffnungszeiten selbst ändern?
- Versteht jemand, der Sie nicht kennt, in wenigen Sekunden, was Sie anbieten, für wen und wo?
- Welche Inhalte würden Ihnen fehlen, wenn sie morgen verschwänden?
- Was hat sich an Ihrem Angebot verändert, seit die Seite entstanden ist?
Für die ersten beiden Fragen helfen Daten, die oft schon vorliegen, etwa aus der Google Search Console. Wo solche Daten fehlen, geben Gespräche mit Kunden oft schon eine klare Richtung: Wie haben sie Sie gefunden, und was hat sie fast abgehalten?
Auch ein Neuaufbau ist kein Neuanfang
Selbst wenn das Fundament ersetzt werden muss, beginnt nicht alles bei null. Gute Inhalte ziehen um. Adressen bleiben erhalten oder werden weitergeleitet. Logo, Farben und Tonfall tragen weiter, wenn sie funktionieren. Der Unterschied liegt dann vor allem in der Technik, nicht in dem Auftritt, den Ihre Kunden kennen.
Am Ende zählt nicht, wie viel neu ist. Es zählt, ob der Eingriff an der richtigen Stelle sitzt.
Welche Schichten Ihrer Website tragen und welche nicht, zeigt eine strukturierte Bestandsaufnahme. Wie AVOOR. dabei vorgeht, steht unter Analyse & Positionierung. Für eine erste Einschätzung Ihrer Seite genügt eine kurze Anfrage.